So, hab ewig nix mehr geschrieben, jetzt kommt mal wieder was.
Hab beschlossen meinen jümgsten, geistigen Erguss mal zu veröffentlichen.
Gehört zu meiner eigenen, kleinen, heilen Phantasie-Welt.
Bin dankbar für sachliche Kritik.
Ishar
Die Nacht in den Wäldern von Sylvanis ist dunkel und die Truppe hatte keine Fackeln dabei. Doch was solls? Die elfischen Späher von Herzog Andalor kennen in dieser Gegend sämtliche Bäume, Sträucher und Pfade. Trotzdem traute Ishar dem Wald nicht. Er machte ihn nervös, diese Dunkelheit, in der man die Sterne nicht sehen kann, die ständigen Geräusche um ihn herum. Seit er der silbernen Legion beigetreten war, hatte er schon viele Missionen hinter sich gebracht. Er war verwundet worden, er hatte dem Feind in die Augen geschaut bevor er ihn tötete, aber diesmal war es anders. Ja, er war angespannt, dass war er immer vor der Schlacht, aber da war mehr, mehr als sonst, mehr als die Hauptleute ihnen verraten wollten, mehr als die Kampfmagier sagen wollten, mehr als diese Natur, dieser Wald, diese Nacht. Er wusste nicht was ihn nervös machte. Vielleicht war es nur, dass sie, seit er der Legion beigetreten war zum ersten Mal nach Sylvanis marschierten. Die Elfen und die Menschen, die in den unergründlichen Wäldern leben und deren Magier, Priester und Druiden pflegten ihre Wälder und deren Geheimnisse eifersüchtig zu hüten. Wieso war es nötig Reichstruppen einzusetzen? Was war dass, womit die Waldläufer nicht allein zurecht kamen. Man sagte ihnen es handele sich um eine Gruppe Rebellen, die den Herzog stürzen wollen und das Reich bedrohen. Doch für eine Gruppe Rebellen eine ganze Centurie schwere Reiterei? Dazu waren diesmal noch ungewöhnlich viele Magier dabei. Bestimmt an die zwanzig Stück und dazu noch die Bogenschützen und Druiden des Herzogs. Alles in allem bestimmt 300 Mann für eine Handvoll Rebellen?
Nun ist es eh zu spät drüber nachzudenken. Seine Gruppe ging, von einem der Magier, Coren hieß er wohl, verhüllt, 200 Meter von einer Lichtung mit einem Steinkreis entfernt in Stellung. „So Leute, ihr wisst worums geht.“ Sagte der Feldwebel „wir gehen rein und treiben die Aufrührer in den Wald. Dort werden sie von den Bogenschützen erledigt oder Gefangen genommen. Wir ham das schon oft gemacht, also keine Angst. Die sind auch nur Menschen!“
Die übliche Ansprache, uns wurde vorher schon gesagt, dass wir wohl auf 400 Gegner treffen würden. „Sicher sind die mehr als wir, aber mit dem Überraschungsmoment auf unserer Seite und der Durchschlagskraft unserer Pferde würde das schon kein Problem werden.“
Aufsitzen, Schwerter ziehen, Schild aufnehmen. Ishar schloss noch einmal die Augen, ein kurzer Moment Ruhe. Nur er allein, letzte, friedvolle Gedanken und ein tiefer Atemzug. Irgendwie roch es komisch, muffig, vielleicht auch faulig. Doch bevor er sich Gedanken darum machen konnte ging es los.
Ein brennender Pfeil flog über den Himmel der Lichtung und die Pferde setzten sich in Bewegung. Adrenalin pumpte durch seine Adern, die Sinne wurden schärfer, der Atem beschleunigte sich. Sie passierten den ersten Steinkreis und ritten auf den zweiten, den inneren zu. Da, ein Schemen bewegte sich in seinem Augenwinkel, da, noch einer und noch einer. Ein Schlag gegen seine Schulter und ein dumpfer Schmerz. Ein Pfeil! Kein Blut, die Rüstung hat ihn abgefangen!
Sie müssen sich hinter den Steinen versteckt haben um den Reitern in den Rücken zu fallen. Kehrt und da standen sie. In dunkle Gewänder gehüllt, Grau, Grün, Schwarz. Bewaffnet mit Bögen und Speeren, einige mit Schwertern. Seine Kameraden ritten gegen sie an. Er hielt mit seinem Pferd auf den Schützen zu der ihn getroffen hatte. Der Hieb saß! Er konnte zwar noch den Bogen zwischen Schwert und Kopf bringen doch er hielt Ishars Hieb nicht stand. Unter einem knacken brach der Schädel und Blut quoll aus der Wunde. Keine Zeit, der nächste stürzte sich aus der Flanke auf ihn. Sein Pferd bäumte sich auf, als der Vermummte seinen Speer in dessen Flanke bohrte. Ishar wurde abgeworfen. Krachend fiel er zu Boden. Schmerzen verspürte er keine. Das Adrenalin blockierte jeden Schmerz. Noch bevor er richtig stand, griff der Vermummte erneut an. Ishar riss den Schild hoch, doch nicht hoch genug um den Stoß unschädlich zu machen. Der Speer glitt an dem Schild ab und stieß gegen seinen Helm. Ishar stürzte. Der Schlag hatte geschmerzt. Er sah wie Blut aus seinem Mund troff. Durch den Ruck am Kinnriemen des Helmes musste er sich auf Zunge oder Lippen gebissen haben.
Grade als sein Gegner ihm den Todesstoß versetzen will, bemerkte Ishar nur einen heranrauschenden Schatten, das blitzen eines Schwertes und wie der Vermummte herum geschleudert wird. Er kommt tot zum liegen. Ein tiefer Hieb, der ihm den Arm abtrennte und tief in seinen Brustkorb eindrang.
Die Feinde zogen sich zum Rand des inneren Rings zurück. Sie stellten sich den Reitern in den Weg, schienen nicht daran zu denken, in den Wald und damit in den Pfeilhagel zu fliehen. Irgendjemand musste sie gewarnt haben! Heftig drangen die Reiter auf die Rebellen ein. Doch an der Speerbarriere scheiterten einige Anläufe. Die ersten Reiter fielen tot von den Pferden, getroffen von Pfeilen. Mittlerweile waren die Schützen nachgerückt und die Magier begannen zu zaubern. Blitze zuckten, der Boden griff nach den Feinden und der Riegel zwischen uns und dem inneren Ring wankte, als es plötzlich still wurde.
Ishar wusste nicht wie viel Zeit verstrich, bevor sich die Szene vor seinen Augen wieder in Bewegung setzte. Alles war gefroren. Nur ein Vogel, der tot auf seine Schulter fiel, sonst nichts. Plötzlich war da wieder der Geruch, dieser muffige, modrige Geruch und dann begann es.
Zähne, Klauen, Schwänze wie Peitschen, ein Geheul das durch alle Glieder fährt und selbst den tapfersten lähmt. Sie drangen durch den Verteidigungsring. Weder Freund noch Feind kennend stürzten sie sich auf alles was sich bewegte. Ihre Formen waren zahllos, manche wie wunderschöne Nebelgeister, die ihr wahres Antlitz ihren Opfern offenbarten, kurz bevor sie sie umwogten und wie eine vertrocknete Mumie zurückließen. Dämonen mit Hörner und langen Dornen statt Händen, die ihre Opfer hundertfach durchbohrten, bevor sie sie mehrere Meter wegschleuderten. Halb vermoderte Gerippe mit Waffen aus längst vergangener Zeit, die sich mit übernatürlicher Stärke auf die seinigen stürzten, Geister, die in seine gefallenen Kameraden einfuhren und sie gegen die lebenden kämpfen ließen und zahllose mehr.
Schockiert blickte Ishar nach oben. Der Himmel war zu einer Lila glosenden Wolke geworden und es zeigte sich ein länglicher Riss nach unten, der diese Welt mit einer anderen zu verbinden schien.
Er rappelte sich auf, seine Kameraden versuchten sich zu halten und er konnte sie nicht im Stich lassen. Sie bildeten eine Front gegen die Wogen aus Finsternis. Wie viele mochten es sein? 50? 80? Auf jeden Fall weniger als sie und sie bluteten. „Wenns blutet, kannstes töten“ hatte Alondro, sein Ausbilder im Kampf gegen übernatürliches, immer gesagt und diese Biester bluteten!
Die Front hielt! Sie wankte, aber die Männer konnten sich der Dämonen erwehren. Nur wie lange noch? Die Zauberer leisteten ganze Arbeit, immer wieder schickten sie einzelne Wesen zurück in den Schlund aus dem sie gekrochen waren. Das Glück begann sich zu wenden. Sie rückten in den Zirkel vor. Die Weißmagier begannen Choräle anzustimmen und die Feinde mit heiligem Licht zu verzehren. Immer wieder Angriffe, Tentakel aus Finsternis, die dem gleißenden Licht der Magier trotzten und einen aus der Phalanx rissen. Sein Nebenmann fiel. Der monströse Säbelzahntiger, der ihm das halbe Gesicht ab biß, schlug nun nach Ishar. Ishar taumelte zurück, der Klauenhieb hatte seine Rüstung durchdrungen und brannte wie Feuer in seinem ganzen Körper. Ihm wurde schwindelig und er verlor das Bewusstsein.
Als er wieder aufwachte dröhnte ihm der Schädel. Alle waren verschwunden. Er lag allein in dem Steinkreis, umgeben von Modergeruch und etwa 200 Leichen. Was war geschehen? Hatten seine Kameraden gesiegt? Waren die Dämonen verschwunden?
Er sah sich um, es waren keine Feinde zu sehen. Nur der Riss im Zentrum des inneren Kreises existierte noch immer. Er wankte darauf zu und betrachtete den Riss und das Werk der Zerstörung darum. Plötzlich bemerkte er etwas in dem Riss. Er ging darauf zu und versuchte zu erkennen was es war, als sich ihm zwei Augen offenbarten. Wie gebannt starrte er sie an. Sie schienen ihm in die Seele zu blicken, ihn zu verzehren. Panik kroch in ihm hoch.
Etwas war im Begriff in diese Welt zu treten.