Thursday, November 17, 2005

Der letzte Anstand im Profifussball wird zu Grabe getragen.

Gestern war ein schwarzer Tag für jeden Fußballfan, der gewaltlos seine Mannschaft sehen und anfeuern will.
Gestern war ein schwarzer Tag für jeden Fan, der gegen das Klischee des prügelnden Hooligan, der nur zum kloppen ins Stadion geht, ankämpft.
Was ist gestern geschehen?
Gestern spielte die Türkei gegen die Schweiz um einen der letzte Plätze für die WM 2006 in Deutschland. Die Türkei hatte das Hinspiel 0:2 verloren, musste also zu Hause gewinnen um noch nach Deutschland zu kommen. Das Spiel im Hexenkessel von Istambul endete mit 4:2 für die Türkei. Diese war damit ausgeschieden, weil die Schweizer auswärts mehr Tore geschossen hatten. Das Spiel wurde mit harten Bandagen geführt, es gab viele Fouls, der Schiri gab gleich in der 2. Minute Handelfmeter für die Schweizer, brachte damit die Stimmung der Fans und der Mannschaft zum kochen. Die Türkei kämpfte sich auf ein 3:1 heran, wobei von beiden Seiten hart gespielt und vor allem von der türkischen Mannschaft viel Diskutiert wurde. Die Schweizer schafften es noch auf 3:2 zu verkürzen bevor die Türkei, kurz vor Ende noch auf 4:2 erhöhten. Doch selbst 4 min Nachspielzeit reichten nicht um den notwendigen 5. Treffer zu erziehlen.
Nach dem Spiel kam, was kommen musste. Istambul ist für seine heiße Atmosphäre bekannt, das Stadion ist ein Hexenkessel und die Fans sind fanatisch wie nur an wenigen Orten. Die Schweizer hatten bei ihrer Ankunft schon eine Kostprobe erhalten. Von Behörden bei der Einreise schikaniert und während der Busfahrt zur Unterkunft mit Eiern und Milchtüten beworfen, nur unzureichender Polizeischutz,... dies war wirklich nur ein leichter Vorgeschmack!!!
Schon während des Spiels wurde Gegenstände auf den Rasen geworfen, doch nach dem Ausscheiden der Türkei konnten die Schweizer nicht mehr angemessen feiern. Sie flüchteten Augenblicklich in den Kabinengang, doch selbst dort waren sie nicht sicher. Es kam zu Rangeleien, der Schweizer Philip Degen musste ein Interview abbrechen und sich in die Kabine flüchten. Ein Schweizer Spieler wurde, laut der Tagesschau, von Sicherheitkräften in den Unterleib getreten und musste ins Krankenhaus. Sport.ARD.de:Direkt nach dem Schlusspfiff feierten die Schweizer Spieler nicht etwa die erfolgreiche WM-Qualifikation, sondern sprinteten schnurstracks Richtung Kabinengang.Dadurch entgingen sie zwar dem Hagel aus Steinen, Flaschen und Feuerzeugen von den Zuschauerrängen, dafür kam es im Kabinengang zu Auseinandersetzungen mit Ordnern und Spielern der türkischen Gastgeber.
Pressestimmen zum Spiel:
"Es war die schwärzeste Nacht. Unser Traum ist zu Ende. Wir haben mit Herz gespielt und unser Bestes gegeben, aber wir mussten unsere Hoffnungen begraben. Mit ihren Provokationen haben uns die Schweizer in eine Falle gelockt. Über das Ende muss die FIFA entscheiden." (Fanatik - Türkei),
"Es sollte nicht sein. Wir konnten die letzte Hürde auf dem Weg zur WM nicht nehmen. Dafür haben es die hässlichen Schweizer geschafft, nach Deutschland zu fahren. Sie haben wieder provoziert und für Rangeleien gesorgt." (Star - Türkei)
"Ein normales Fußballspiel ist etwas anderes. Es war wie erwartet ein Abend der Emotionen, der Hochspannung, aber auch des Lärms, der Nervosität, der Wurfgeschosse und der Provokationen. Bereits vor dem Spiel war gut ersichtlich, auf welche Art die Türken doch noch zur WM gelangen wollten. Die Fans vor dem Stadion begegneten allen, die aus der Schweiz kamen, mit Verachtung." (Der Bund - Schweiz)
FIFA-Präsident Sepp Blatter:"Es darf nicht sein, dass sich ein Team nicht mehr freuen darf und sich die Spieler wie Diebe vom Feld stehlen müssen. Das Fairplay wurde mit Füßen getreten."

Die FIFA hat angekündigt die Vorfälle zu untersuchen. Sollten sie sich als wahr heraus stellen, sollte die FIFA ernsthaft in erwägung ziehen, die Türkei schon im Vorfeld von der nächsten WM auszuschließen. Es ist nicht das erste mal, dass es zu derartigen Szenen kommt und es muss eingeschritten werden!
Angesichts dieser Szenen bin ich froh, dass die Türkei nicht in Deutschland dabei ist. Derartige Szenen sollten sich bei einer WM nicht ereignen.
Sicher kommt es bei anderen Mannschaften auch zu Gewalt. Es kommt auch bei anderen Mannschaften zu Schlägereien, aber ich habe noch nicht erlebt, dass diejenigen, die die Fußballer schützen sollen sich an den Ausschreitungen beteiligen, dass Fußballer von Behörden schikaniert werden und nur unzureichender Schutz zur Verfügung steht.
Wie ein Land an der Schwelle zum EU-Mitglied hat die Türkei sich definitiv nicht präsentiert. Wo die Ursachen für diese Vorfälle liegen, kann ich nicht sagen, es bleibt jedoch unbestritten, dass selbst bei einer Provokation der Schweizer, ein derartiges Handeln seitens Behörden und Spieler der türkischen Mannschaft niemals gerechtfertigt ist.

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